![]() | NEUHEITEN + EMPFEHLUNGEN Z I T A T E |
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Schriftsteller, Geschichtenerzähler, spielen ein sehr erotisches Spiel. Sie wecken Neugier, dann befriedigen sie die Neugier damit, neue Neugier zu erwecken. Unser Ziel ist Verführung. Wer liest, will Lust. Es gibt viele andere Namen für das, was wir beim Lesen suchen: Vergnügen, Spaß, Genuß, Entspannung, Wohlgefühl, Freude, Glück. Doch wie Lust läßt jeder dieser Namen offen, was damit im einzelnen gemeint ist. Es gibt eine Vielfalt von Bedürfnissen, die sich mit Literatur lustvoll befriedigen lassen: das Begehren nach Schönheit, nach emotionaler Erregung, nach befreiendem Lachen, nach kontemplativer Ruhe,nach moralischer Erbauung oder auch nach dem Glück der Erkenntnis.Etliche andere Bedürfnisse lassen sich durch Literatur zwar intensivieren, aber nur außerliterarisch befriedigen. Konzerne wollen 'Marktführer' werden und entledigen sich ihrer edlen, aber wenig lukrativen Teile, das wohlsortierte Sortiment gerät unter den Druck der Buchdrogerien. Wann werden die Spekulanten unser Gewerbe wieder verlassen? Man sollte eigentlich nur das ein Buch nennen, was etwas Neues enthält. Die meisten Bücher von heute sehen so aus, als wenn sie an einem Tage verfaßt worden wären. Und zwar aus den Büchern, die am Tage zuvor gelesen worden sind. Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht mehr zurück. Ein Buch, das nicht wert ist, zweimal gelesen zu werden, ist auch nicht wert, daß man es einmal liest. Ich finde, daß sich ein Buch gerade vorzugsweise zu einem freundschaftlichen Geschenk eignet. Man liest es oft, man kehrt oft dazu zurück, man naht sich ihm aber nur in ausgewählten Momenten, braucht es nicht wie eine Tasse, ein Glas, einen Hausrat in jedem gleichgültigen Augenblick des Lebens und erinnert sich so immer des Freundes im Augenblick eines würdigen Genusses. Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht, damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, daß der Verfasser etwas gewußt hat. Es gibt weder moralische noch unmoralische Bücher. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben, nichts sonst. Ein sicheres Zeichen von einem guten Buche ist, wenn es einem immer besser gefällt, je älter man wird. Wer sich viel mit Menschen herumärgern muß, erholt sich am besten davon in Büchern. Bücher sind bessere Freunde als Menschen, denn sie reden nur, wenn wir wollen, und schweigen, wenn wir anderes vorhaben. Sie geben immer und fordern nie. Manche Bücher darf man nur kosten, andere muß man verschlingen und nur wenige kauen und verdauen. Das heißt: einige Bücher darf man nur teilweise, andere ganz, doch ohne Sorgfalt und nur wenige völlig, mit Fleiß und Aufmerksamkeit lesen. Man bekommt manchmal Pakete mit dem Aufdruck: Vorsicht Bücher! Was für eine Prahlerei. Bei den Büchern ist es umgekehrt wie bei den Frauen: Die guten empfiehlt man weiter. Die Zensur ist eigentlich eine gute Sache auf diese Weise bekommt jedes Buch wenigstens einen aufmerksamen Leser. Literatur ist hauptsächlich dazu da, Arbeitslosigkeit unter Literaturwissenschaftlern zu verhindern. Neun Zehntel unserer ganzen jetzigen Literatur haben keinen anderen Zweck, als dem Publiko einige Taler aus der Tasche zu spielen: dazu haben sich Autor, Verleger und Rezensent fest verschworen. | |
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